Die geheimnisumwitterte Ruinenstadt
Nirgends auf der Welt bieten Ruinen einen so tiefen Einblick in antike Kulturen wie in der Inka-Stadt Machu Picchu – und trotzdem konnten bis heute längst nicht alle Geheimnisse rund um diesen besonderen Ort gelüftet werden.Wenn sich in den frühen Morgenstunden mit der aufgehenden Sonne der morgendliche Nebel über der peruanischen Ruinenstadt Machu Picchu lichtet und die Sonne wie ein magischer Schleier den Blick auf die mehr als 200 Steinhäuser enthüllt, scheint die moderne Welt zu verschwinden und die Zeit für einen Moment um fast 500 Jahre zurückgedreht. Das Farbenspiel der schroffen Andenberge mit ihren steilen Abhängen, die von grünem Urwald bedeckt sind, der grauen Felsgiganten, die bis in den Himmel zu ragen scheinen, zusammen mit den hellen Überresten der um 1450 erbauten Inka-Stadt, ist einmalig.
Im frühen Sonnenlicht erscheinen majestätisch die beiden Gipfel, die die fast 2400 Meter hoch gelegene Siedlung beschützend umreihen und überragen und der Stadt ihren Namen geben. Denn Machu Picchu steht in Quechua für den „alten Gipfel“, der nun, am Morgen, wie ein großer Finger wirkt, der in seiner gigantischen Form diesen einzigartigen Ort zu signalisieren scheint, als würde er der Menschheit und vor allem den vorüber fliegenden Flugzeugen sagen wollen: „Seht her, hier zu meinem Fuße, liegt etwas ganz Besonderes, das von mir beschützt wird.“ Der „junge Gipfel“ am anderen Ende der Ruinen unterstreicht dies ebenfalls, nur in kleinerer Form.
Das Gefühl im direkten Kontakt mit einer Kultur zu stehen, die durch die Eroberung der Spanier im Jahr 1532 ausgelöscht wurde, ja sogar Teil einer, aus unbekannten Gründen, schon vor der Ankunft der Eroberer verlassenen Stadt zu sein, kann man weltweit wohl nur in Machu Picchu erleben. Diese besondere Erfahrung wird jedoch nicht jedem Besucher gewährt, sondern allein den Abenteuerlustigen, die sich entscheiden, auf dem authentischsten Weg zu der Festung zu gelangen. Dies ermöglicht der Inka-Trail; ein etwa 40 Kilometer langer Teil des ursprünglichen Kurrierpfades der Inka zwischen ihrer Hauptstadt Cuzco und Machu Picchu. Die Wanderung dauert vier Tage und führt auf Steinblöcken, Stufen und Tunneln über hohe Pässe und Täler vom Tal des Urumbamba-Flusses zum Sonnentor, das einst speziell als Eingangspforte für die hoch gelegene Stadt errichtet wurde.
Die Gruppen auf dem Inka-Trail werden stets von geschulten Führern begleitet, die von der Regierung vorgeschrieben sind. Diese sorgen auch für die Übernachtungen in Zelten und das Proviant. Da die Wanderstrecke allerdings bis auf eine Höhe von 4200 Meter führt, ist sie Anfängern oder gar nicht-schwindelfreien Touristen nicht zu empfehlen. Die dünne Luft in der hohen Andenregion führt außerdem oft zur mit Übelkeit verbundenen Höhenkrankheit. Die Einheimischen sind mit diesem Problem jedoch vertraut und halten daher für die Gäste stets heilende Kokablätter und Sauerstoffflaschen bereit.
Bereits die Inka wussten von der heilenden Wirkung der Kokapflanze und nutzen diese für jegliche Zwecke. Obwohl die gut erhaltenen Ruinen generell viel Aufschluss über die Kultur, Traditionen und Lebensweise dieser Hochkultur geben, stellen sie die Wissenschaftler weltweit bis heute vor ungelöste Rätsel und versteckte Geheimnisse.
Durch seine untypische, aber strategisch meisterhafte Lage – die Stadt ist vom Urumbamba-Tal aus unter keinen Umständen sichtbar – blieb Machu Picchu im 16. Jahrhundert von den Spaniern unentdeckt und entging so der Zerstörung. Obwohl jüngst Anzeichen in Form von Urkunden dafür gefunden wurden, dass der Deutsche Augusto Berns bereits im Jahr 1867 während seiner Suche nach Gold die Ruinen entdeckte, stieß offiziell der Amerikaner Hiram Bingham im Jahr 1911 erstmals auf die fast uneinnehmbare Festung der Inkas. Statt Gold fand er hier jedoch Skelette und Mumien der zwischen 1000 und 3000 Adeligen und Priester, die in der Stadt lebten.
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