Schluss mit lustig

Die Menschen sind hässlich. Gut für Ulli Lust: Eine Welt voller Schönheit böte der Wahlberlinerin kaum Stoff für ihre gnadenlosen Zeichnungen.

Ulli, du bist gebürtige Wienerin. Fühlst du dich wohl in Berlin?
Ulli Lust: Ach, ich find das toll.

Warum?
Lust: Wien ist sehr destruktiv. Die Wiener jammern gern, und Kunst kann man da eigentlich nur machen, wenn man schon bei einer sehr großen Galerie ist. Wenn man Pläne hat, dann sagen immer alle „Wos brauch mer dös? Dös interessiert niemand!“ Und in Berlin findet man immer Komplizen für seine kruden Ideen.

Du bezeichnest deine Zeichnungen im Buch „Fashionvictims, Trendverächter“ als „Comicreportagen“. Sind das nicht eher Karikaturen?
Lust: Diese Bildkolumnen sind Beobachtungen aus dem Berliner Alltag. Es geht mir nicht um den humoristischen Aspekt. Das wird nur gerne verwechselt, da man ja immer ein bisschen überzeichnet. Man überzieht, man hebt heraus, und deswegen gibt es diese Nähe zur Karikatur. Aber eigentlich … Ich möchte nicht dem Missverständnis unterliegen, dass das Zeichnungen sind, die Witze sein sollen. Es soll nicht dezidiert lustig sein.

Reportagen sind eher journalistisch als künstlerisch. Journalistisch heißt: Es gibt ein Objektivitätsgebot, es gibt nachprüfbare Quellen …
Lust: Es gibt Quellen, aber es gibt kein Objektivitätsgebot, die Sachen sind aus einer subjektiven Sicht heraus gezeichnet. Wenn ich sage, das ist eine Reportage, dann bedeutet das nicht, dass ich eine Nachricht wiedergebe. Ich habe ja eine Haltung, die die Zeichnung dem Leser mitteilt.

Eine Arbeitsgrundlage für mich als Journalist ist, dass ich zwar nicht alles toll finde, womit ich mich beschäftige, dass ich aber ganz grundsätzlich eine Sympathie dafür habe. Ich mag es, irgendwie.
Lust: (lacht prustend) Absolut. Ich habe einfach Spaß an dem Menschenzoo, der mich umgibt. Ich mag diese Leute mit ihren Macken. Wenn man in so einem Bereich wie ich arbeitet, dann ist es ganz wichtig, dass man Sympathie für seine Protagonisten empfindet, weil es sonst schnell untergriffig wird. Gerade weil ich diese Leute mag, kann ich auch ihre kleinen Makel und Fehler viel liebevoller aufzeigen. Wenn ich sie nicht mögen würde, dann würde so ein Porträt schnell etwas Abwertendes bekommen.

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Dieser Artikel entstammt der Zeitschrift U_mag, dem Magazin für Popkultur und Gegenwart. Mehr auf www.umagazine.de

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