Pure Vernunft darf manchmal siegen
„Wenn jemand Scheiße gebaut hat, muss er selbst dafür geradestehen“, sagt Anna Maria Mühe. Klingt härter, als es gemeint ist. Denn eigentlich übernimmt die Schauspielerin ziemlich gerne die Verantwortung für andere.Anna, ist Verantwortung zu tragen etwas, was sich für dich gut anfühlt? Oder belastet es?
Anna Maria Mühe: Nein, ich finde das schön, es gibt Kraft. Ich trage gerne und schnell die Verantwortung für Sachen. Zum Beispiel bei Freunden. Ich will, dass es denen gutgeht, und dann fühle ich mich dafür verantwortlich.
Es fühlt sich also nicht nur gut an, sondern du bist auch gut darin.
Mühe: Ich hoffe es! Da müsste man mal meine Freunde fragen. (lacht) Aber da ich es nicht als Last empfinde, würde ich schon sagen, dass es mir liegt. Wenn einem etwas Freude macht, dann ja auch deshalb, weil es funktioniert.
Was bedeutet es überhaupt, eine verantwortungsbewusste Person zu sein?
Mühe: Auf der einen Seite heißt es, sich dafür zu interessieren, dass es den Menschen um einen herum gutgeht. Dass meine Freunde wissen, dass ich immer für sie da bin – egal, an welchem Zipfel der Erde ich gerade bin. Das ist für mich Verantwortung. Und natürlich auch so Sachen wie: Wenn man Freunde im Auto hat, dann fährt man nicht so schnell, wie man es vielleicht tun würde, wenn man ganz alleine unterwegs ist.
Verantwortung für andere zu übernehmen – wie weit kann das gehen?
Mühe: Sehr weit, wenn es darum geht, sich um das Glück anderer Menschen zu kümmern. Aber ich würde keine Verantwortung übernehmen für Handlungen, die ich selbst nicht gut finde. Wenn jemand Scheiße gebaut hat, dann muss er selbst dafür geradestehen.
Du fühlst dich für andere verantwortlich. Forderst du im Gegenzug auch ein, dass Freunde Verantwortung für dich und dein Wohlergehen übernehmen?
Mühe: Einfordern klingt zu negativ. Ich muss nicht einfordern, dass meine Freunde für mich da sind. Aber ich übernehme natürlich auch selbst Verantwortung. Ich weiß: Bestimmte Dinge bringen Konsequenzen mit sich. Und dafür bin ich dann selbst verantwortlich. Ich habe das durch die Pressearbeit ganz schnell gemerkt. Durch Interviews zum Beispiel. Wenn du da bestimmte Sachen sagst, dann kann das Konsequenzen haben.
Und weil du das gemerkt hast, bist du inzwischen vorsichtiger?
Mühe: Bewusster. Ich gehe bewusster mit den Sachen um, die ich sage oder preisgebe. Das gehört für mich zu Verantwortungsbewusstsein dazu: dass man die Folgen mitdenkt. Was natürlich nicht immer geht! Man kann nicht immer sagen: Das hat diese und jene Konsequenz, also mache ich das jetzt lieber nicht. Es wäre schlimm, wenn es so wäre.
Tocotronic haben gesungen: „Pure Vernunft darf niemals siegen“ …
Mühe: Und es stimmt! Man muss Fehler machen. Verantwortungsbewusst zu handeln darf am Ende nicht heißen, dass man langweilig und überkorrekt ist.
Wobei das Wort Verantwortungsbewusstsein schon sehr brav und spießig und unsexy klingt.
Mühe: Ich finde, dass man ruhig eine gewisse Spießigkeit haben kann. Das klingt immer so negativ. Dabei ist es doch völlig in Ordnung, in manchen Dingen auch mal spießig zu sein.
Wie gehst du damit um, wenn etwas misslingt, für das du die Verantwortung trägst?
Mühe: Das kommt darauf an, was das für eine Sache ist. In der Regel kann ich das gut, ich nehme es hin, es ist dann halt so. Aber manchmal weiß man: Man hat vorher einfach nicht nachgedacht. Und dann steht man vielleicht auch mal vor einer Wand. Und weiß nicht mehr weiter.
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