Raúl Argemí: Chamäleon Cacho
Der versoffene Journalist Manuel wacht nach einem Autounfall in einem argentinischen Krankenhaus auf, und das einzige, woran er sich erinnern kann, ist sein Name und im Bett nebenan liegt ein Indio, der in religiösem Wahn gemordet haben soll.Manuel wittert eine Story, und so beginnt er eine doppelte Recherche: Er erforscht die Umstände seines Unfalls und horcht zugleich seinen Bettnachbarn über das Verbrechen aus. Beide Geschehnisse haben mit einem Mann namens Cacho zu tun, dem titelgebenden Chamäleon, das mal als Priester, mal als Drogenhändler auftritt und hinter dem sich womöglich ein ehemaliger Folterer des Militärs verbirgt. Mit einem klassischen Crime-noir-Plot beginnt dieses schmale Buch, erzählt im ebenso kargen wie schönen Stil, der für das Genre typisch ist: „Orlando hatte ein paar Tabletten eingeworfen, was ihn in einen seligen Zustand versetzte, als würde Gott an seinem Hemd zupfen und ihn um ein Autogramm bitten.“ Dann aber zieht der Autor seinen Lesern Satz für Satz den Boden unter den Füßen weg. Der Held eines Krimis ist dazu da, Fragen zu beantworten – hier aber verbergen sich hinter jeder Antwort neue Rätsel. Argentinien erscheint als ein Land, das von Psychopathen, Junkies und korrupten Beamten bevölkert ist; von Menschen, die mit Wunden herumlaufen, die in den Jahren der Militärdiktatur geschlagen wurden und sich nicht schließen mögen. Was als Krimi beginnt, endet als existenzialistischer Alptraum, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse, Vergangenheit und Gegenwart verwischen. (arm)
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