Der fremde Sohn
Filme, bei denen der mittlerweile 78-jährige Clint Eastwood Regie führt, sind nicht nur kinematografische Lehrstunden, sondern stets auch moralische Diskurse über menschliche Makel, Schuld und Sühne.„Der fremde Sohn“ basiert auf der wahren Geschichte von Christine Collins (Angelina Jolie), deren Sohn im Jahr 1928 in Los Angeles entführt wurde. Als die unter Korruptionsvorwürfen stehende Polizei nach fünf Monaten einen Jungen findet, auf den die Beschreibung zutrifft, wird die Suche beendet und der Fall geschlossen. Der Haken: Mutter und Sohn haben sich noch nie gesehen, der Junge ist nicht Collins’ Kind – doch die Behörden ignorieren das … War Eastwoods Doppelprojekt „Flags of our Fathers“/ „Letters from Iwo Jima“ noch opulentes Geschichtskino, konzentriert er sich diesmal auf eine atmosphärisch dichte und spannende Krimigeschichte, die zur stilistischen Meisterleistung wird. Jede Einstellung ist brillant in ihrer Wahrhaftigkeit, jede Darstellerleistung berührend und verstörend zugleich. Eastwoods Erzählstil ist Kino in seiner reinsten und professionellsten Form, mit einer Hauptdarstellerin, die man zuallererst für ihre schauspielerische Wandlungsfähigkeit und nicht für ihren privaten Geltungsdrang bewundern sollte. Einziger Wehrmutstropfen bleibt die zu kleine Rolle von John Malkovich als aufklärerischem Pfarrer, die dem Film einen schalen Beigeschmack von christlicher Gerechtigkeitssuche gibt. (ds)
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