Jerichow

Manchmal sieht Nina Hoss in „Jerichow“ aus wie eine 15 Jahre ältere und abgetakelte Version ihrer selbst.

Die Dreiecksbeziehung, die Christian Petzold in seinem kammerspielartigen Drama verhandelt, wird eben von mehr bestimmt als der Schönheit einer Frau, die die Aufmerksamkeit zweier Männer auf sich zieht. Zwischen Laura (Hoss), ihrem eifersüchtigen Ehemann Ali (Hilmi Sölzer) und seinem neuen Angestellten, dem schweigsamen Afghanistanveteran Thomas (Benno Fürmann), herrscht die Dominanz des Geldes. Thomas hat gar keins, Imbissbudenbesitzer Ali dagegen jede Menge – so viel, dass er einst Lauras Schulden begleichen, ihr ein riesiges Haus kaufen und sie mit einem Ehevertrag an sich binden konnte. „Man kann nicht lieben, wenn man kein Geld hat“, sagt Laura irgendwann zu Thomas, zu dem sie sich so sehr hingezogen fühlt. Damit Laura Ali verlassen und mit Thomas zusammensein kann, braucht sie also Kohle – an die sie nur durch ein Verbrechen kommt … Wie bereits in „Yella“ findet Petzold Schauplätze, die bis auf die Hauptfiguren menschenleer sind, und Bilder, die seltsam künstlich wirken – dabei spielt „Jerichow“ mitten in der Natur, zwischen grünen Wiesen und am Meer. Dass der Autorenfilmer ausgerechnet hier eine Geschichte ansiedelt, in der es um den Einfluss des Kapitalismus auf das Allerpersönlichste des Menschen geht, zwingt den Zuschauer zur Selbstreflexion. Denn wenn Geld selbst im sattgrünen Küstenidyll regiert – wie sieht es dann erst im restlichen Deutschland aus? (jul)

© bunkverlag GmbH


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Dieser Artikel entstammt der Zeitschrift U_mag, dem Magazin für Popkultur und Gegenwart. Mehr auf www.umagazine.de

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