„Ich hasse sie alle!“
Oben ohne rumlaufen, Haare pink färben, Elton John anpöbeln – in die Klatschspalten zu kommen, das war einfach für Lily Allen. Aber wie kommt die Sängerin wieder raus?Es gibt so Zeitschriften, die lesen wir alle. Aber natürlich nur beim Arzt. Mann, müssen wir alle krank sein. Denn wir sind gut informiert über das, was angeblich keinen interessiert. Aber, beruhigen wir uns: Die wollen das doch. Die brauchen das sogar. Denn sind Celebrities nicht vor allem dafür berühmt, berühmt zu sein?
Okay, manche haben auch mehr im Portfolio als Oberweite. Sängerin Lily Allen zum Beispiel. Streng betrachtet hat die Londonerin, die gerade ihr zweites Album aufgenommen hat, sogar ausschließlich anderes zu bieten. Ihre Oberweite ist eher klein. Anschauen kann man sie sich trotzdem regelmäßig auf irgendwelchen Paparazzibildern. Wahrscheinlich kennen schon mehr Menschen Lilys Nippel als ihren Hit „Smile“. Und der war immerhin auf Platz eins der Charts.
Oder als Allen einmal über einen Zaun kletterte: Fotos von ihrem Hintern, eine ganze Serie, zierten die Seiten einer deutschen Hochglanzillustrierten. Angeblich hatte sie ihre Schlüssel vergessen. Sie kann sich nicht erinnern. Das meiste sei sowieso ausgedacht, grummelt die Sängerin. Wobei sie die Zaunklettergeschichte – und die Tatsache, dass sich eine deutsche Zeitschrift für so einen Nonsens interessiert – schon wieder amüsant findet. Überhaupt kann die 23-Jährige über eine Menge lachen. Wer genau hinsieht, merkt: Es ist Galgenhumor.
„Als ich das erste Mal Sachen über mich gelesen habe, die nicht nur total ausgedacht, sondern auch sinnlos waren und nicht mal interessant, da war ich richtig sauer. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wann das angefangen hat“, erzählt Lily Allen. „Eigentlich kenne ich es ja nicht anders.“ Nein, wehren könne man sich nicht dagegen, sagt sie müde. „Zeitungen oder Fotografen zu verklagen dauert ewig, kostet viel Geld und bringt überhaupt nichts. Dann würden mich doch nur noch mehr Fotografen ständig verfolgen. Ich weiß nicht genau, wozu diese Menschen fähig sind – und will es ehrlich gesagt auch gar nicht herausfinden.“
Manchmal möchte sie sich am liebsten verkriechen. Ob sie deswegen zum Interview ein fast bettbezuggroßes T-Shirt trägt, in dem gelegentlich die in einer Art Ganzkörperstrumpf verpackten Arme und Beine verschwinden? Nur den Kopf hält Lily Allen oben. Denn es gibt kein wirkliches Entkommen. Das weiß sie nach drei Jahren im Rampenlicht genau. Sie ist nicht Harry Potter, der sich einfach woanders hinzaubern kann. Sie hat keinen Scotty, der sie wegbeamt. Sie hat stattdessen zehn Paparazzi, die ständig vor ihrer Tür herumlungern. „Wenn ich aus dem Haus gehe, ist es, als ob ich über einen roten Teppich laufe. Und wenn sie mich nicht von zu Hause aus verfolgen, sieht einer mein Auto, und irgendwo stehen sie dann. Die kennen doch alle mein Nummernschild. Es muss wenigstens ein paar tausend Paparazzi in London geben, verflucht noch mal, die sind einfach überall.“
„Ich habe deswegen schon mit dem Trinken aufgehört und gehe nicht mehr aus“, sagt sie bockig. „Die Presse hat sich das Maul zerrissen über mich und den Alkohol und ein Problem draus gemacht, obwohl es keins war.“ Sogar übers Wegziehen hat die geborene Londonerin nachgedacht. Ob ihr das als Flucht, Verrat an der Heimat oder Rückgratlosigkeit ausgelegt würde, ist der Sängerin herzlich egal. „Ich bin bei so was nicht stur. Wenn mich etwas oder jemand unglücklich macht, unternehme ich was, um das zu ändern. Ich kämpfe nicht um des Kämpfens willen. Aber die Entscheidung wegzuziehen würde mir sicher leichter fallen, wenn ich in einer stabilen Beziehung steckte. Ich könnte nicht irgendwo ganz alleine hinziehen, wenn meine Familie und meine Freunde alle in London sind.“ Eine Flucht in die USA, den einzigen anderen Ort, den sie sich vorstellen könnte, würde alles sogar noch schlimmer machen. „Ich habe Freunde in L. A., und dort ist es für mich ärger als in London – obwohl ich in den USA viel weniger bekannt bin. Weil das Pfund stärker ist als der Dollar, habe ich gleich 40, 50 Fotografen an den Hacken, wenn sie hören, ein britischer Star treibt sich rum. Für ein Bild von mir bekommen sie wegen des Wechselkurses nämlich mehr als für das Bild eines amerikanischen Stars.“
Na ja, so sympathisch das wuschelhaarige T-Shirt-Knäuel auch ist – nicht in L. A. wohnen zu können, das sind jetzt aber Luxussorgen, oder?
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