Milk
Nach den experimentellen Filmen "Last Days" und "Paranoid Park" kehrt Regisseur Gus Van Sant zum traditionellen Erzählkino zurück.Es mag zunächst enttäuschen, dass ausgerechnet der innovative Individualist mit "Milk" ein chronologisch erzähltes und relativ konventionelles Biopic vorlegt. Doch die Wahl ist mutig und wichtig: Es geht um die letzten acht Lebensjahre des ersten offen schwul lebenden Politikers in Kalifornien. Denn die Emanzipation von Schwulen und Lesben erlebt in den USA derzeit herbe Rückschläge; zuletzt wurde nach einer konservativen Initiative die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien durch einen Volksentscheid wieder untersagt. Der Film setzt mit dem Entschluss des Investmentbankers Harvey Milk (Sean Penn) ein, nach San Francisco zu gehen und ein Fotogeschäft zu eröffnen. Der Laden wird zum queeren Szenetreff und zum Zentrum einer politisierten Bewegung. Milk kandidiert mehrfach für einen Posten als Stadtrat, gewinnt 1977 die Wahl und bekämpft erfolgreich die religiösen Rechte, die die Entlassung homosexueller Lehrer fordert. Drei Wochen nach diesem Triumph wird Milk von seinem Abgeordnetenkollegen Dan White erschossen. Van Sant setzt viele Zeitzeugen als Schauspieler und Berater ein, verwendet teilweise Originalaufnahmen, die er mit seinen Darstellern nachbearbeitet, und schafft so das möglichst realitätsnahe Porträt einer Protestbewegung. "Milk" ist eine spannende und emotionale Heldenverehrung, die sowohl das private als auch das politische Leben des schwulen Aktivisten thematisiert. Trotzdem wird auch Milks Mörder in seinen Grautönen gezeigt; Van Sant lässt dessen Motive offen und bietet unterschiedliche Interpretationen. Nicht zuletzt profitiert der Film von den grandiosen Schauspielern, allen voran Sean Penn, der Milk bis hin zu dessen Mimik und Betonung studiert hat. Ein Oscar für Van Sant und Penn wäre zwingend. (cs)
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