Man Son
Ende der 1960er-Jahre kam das Böse in die Alltagskultur. Die abschreckende Fratze des Vietnamkriegs wurde sichtbar, die Studentenbewegung radikalisierte sich und im Pop wurde aus der friedlichen Woodstock-Idylle der Gewaltexzess von Altamont.Symbolisch für diesen Verlust friedlicher Utopien stand Charles Manson, ein US-Hippie, dessen sektenartig geführte „Manson Family“ 1969 mordend durch die kalifornische High Society zog. Manson bezeichnete sich selbst zeitweise als „Man Son“, also als „Menschensohn“, was einen Bezug zum christlichen Bild des Schmerzensmanns herstellt. Die Hamburger Kunsthalle untersucht den Umgang mit Extremen in der Kunst und geht in dieser Suche zurück auf Mansons Selbststilisierung, ohne zwingend eine Ausstellung über Manson oder über die Kunst der 60er zu sein – jemand wie die Polit-Pop-Künstlerin Josephine Meckseper (unsere Abbildung zeigt „RAF Tray“, 2002) hätte dort auch nichts verloren. Thema ist vielmehr der Moment, in dem sich eine Aktion durch den Einsatz von Gewalt in ihr Gegenteil verkehrt – der „Schrecken der Situation“ (so der Untertitel der Ausstellung) wird fühlbar.
30. 1.–26. 4., Hamburger Kunsthalle
Abb.: © Courtesy Galerie Reinhard Hauff
© bunkverlag GmbH
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