Trotz und Triumph
Mit Obama kommt quasi auch Bruce Springsteen an die Macht, der größte aller kleinen Leute. Sein neues Album ist der Soundtrack dieses magischen Moments – ohne es zu wollen.1994 gewann Bruce Springsteen einen Golden Globe für die Aidsschnulze „Philadelphia“. Nun, 15 Jahre später, erhält er diese Trophäe erneut: für seinen neuen Song „The Wrestler“ aus dem gleichnamigen Film mit Mickey Rourke. Ein Kreis hat sich geschlossen. Doch die Zeiten sind andere.
Mitte der 90er, als er seinen ersten Golden Globe holte, war Springsteen längst kanonisiert. Es machte nichts, dass die Abstände zwischen seinen Alben größer wurden und die Werke nicht mehr so weltbewegend. Er war einst zum Superstar geworden, weil keiner die dunkle Seite des amerikanischen Traums so saft- und kraftvoll beschwor wie er. Millionen desorientierter Vorstadtteenager folgten ihm auf seinen ruhelosen Fahrten durch die Nacht, auf seiner Suche nach Entgrenzung und den kleinen Fluchten in die Liebe. Sie folgten ihm, weil er ihren Unterschichtgefühlen Würde gab und Poesie.
Bruce Frederick Joseph Springsteen aus Freehold in New Jersey war der wahre working class hero, einer, den du immer im Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln sahst oder im T-Shirt, das nur mühsam seine Bizeps bändigte. Er war der Jeanstyp schlechthin, und es wunderte uns nicht, dass ausgerechnet jene Platte, deren Cover er mit Anzug und Spaghettikrawatte verunzierte, zu seinen schwächsten gehörte: „Tunnel of Love“ von 1987.
Doch auf seinen stärksten Alben stimmte alles: sein emphatisches Röhren, die Texte über Maloche und Sehnsucht, das muskulöse Stampfen der E-Street-Band, die manchmal explodierte wie der heilige Zorn des Proletariats. Clarence Clemmons’ brünstiges Saxofon verwandelte in solchen Momenten die irgendwie auch heimelige Chancenlosigkeit der Unterschicht in einen Aufschrei aus Trotz und Triumph. So wurde Springsteen zur amerikanischen Rockikone, zum Prototyp der ehrlichen Haut, der auch als Multimillionär kein Problem damit hatte, mit den Maurern an der Ecke Bier zu trinken und sich die Schultern tätscheln zu lassen.
Dann kam das Amerika der Bushs. Es war das Gegenteil von Springsteens Amerika; doch aus der Beschädigung des Landes von oben bezog er künstlerisch neue Kraft. Seinen Patriotismus von unten konnte Springsteen mit Songs wie „My City of Ruin“ Anfang des Jahrtausends erneut in Stellung bringen gegen den taktischen (und unmenschlichen) Patriotismus der Politik. Es waren wieder gute Jahre für ihn, den Volkstribun aus New Jersey. Sein 2007er-Album „Magic“ lieferte noch einmal einen düsteren Rockscore zu diesem bleiernen Jahrzehnt.
![]() |
.. gefunden in: Dieser Artikel entstammt der Zeitschrift U_mag, dem Magazin für Popkultur und Gegenwart. Mehr auf www.umagazine.de Kostenloses Probeabo |
Nicht nur eine SaisonSchön, dass Espace Killiwatch guter Garderobe einen zweiten Frühling schenkt - und seinen Besuchern bunte Stunden des Stöberns. Was viele nicht wissen: die Vintage Boutique bietet wahre Schmuckstücke. |
> weiter |
|
| |
||
„Weil wir heute etwas verändern wollen“ - ein Statement an die Modewelt.Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, Billiglöhne. Das Kölner Modelabel Armedangels sagt Nein zu unfairen Machenschaffen in der Modeindustrie und setzt mit ihren Designs ein klares Zeichen: Biobaumwolle, kreatives Design und erschwingliche Preise für den Endverbraucher sind möglich. |
> weiter |
|
| |
||
Ich bin vieleDie Schauspielerin Brigitte Hobmeier ist eine echte Schönheit – das will sie aber nicht hören. Wie bescheiden! Wovon sie wiederum auch nichts wissen will. |
> weiter |
|
| |
||

