Zurück zur Natur
Das verherrende Ausmaß der globalen Rezession hat auch der Nachfrage prunkvoller Architekturprojekte vorerst den Gar aus gemacht. Stattdessen boomen ein neuer Minimalismus und die Rückkehr zur Natur.Und dennoch drifften die Meinungen unter den Stararchitekten weiterhin stark auseinander. Was für den einen eine vorrübergehende Schaffenskrise bedeutet, befinden anderere als lange ersehnte Trendwende in der Architektur. Denn wie immer in schweren Zeiten, werden auch im kreativen Baugewerbe die Karten gegenwärtig neu gemischt. Zu den Gewinnern dabei zählt auch der norwegische Architekt Reiulf Ramstad. Schon seit vielen Jahren bekennt sich der Osloer Visionär zu einer minimalistischen Wohnkultur und Baukunst im Einklang mit der Natur. Bestes Beispiel hierfür ist das von Ramstad auf der nur spärlich bevölkerten Insel „Havelar Island“, südöstlich der norwegischen Küste und nur wenige Autostunden von der norwegischen Landeshauptstadt entfernt, erbaute Sommerhaus „Inside Out Hvaler“. Mit Blick über das Meer und den Horizont kann man sich der Natur dabei kaum näher fühlen – auch dann nicht, wenn man das auf einem steinigen Hügel gelegene Haus verlässt. Denn während das norwegische Durchschnittshaus, seit eh und je mit kleinen Fenstern und einer robusten Tür bestückt, den Naturfreund schnell aus der häuslichen Reserve nach draußen lockt, bietet die einmalige Gestalt von Ramstads Domizil, der üppigen Glasfront sei Dank, ein ganz und gar offenes Verhältnis zur Natur. Somit ist wer drinnen ist immer auch draußen und anders herum. Doch obgleich sich die gläserne Seite des Feriendomizils auch für äußere Einblicke zu öffnen scheint, agiert es doch als perfekte Ergänzung zu der umliegenden Natur. Zumal sich im Zusammenspiel mit Wind und Wetter die Außenverkleidung, wie auch der Rest des Gebäudes, einer fließenden Integration in die umgebende Natur hingeben – und der Tag somit nicht nur mit dem Naturschauspiel atemberaubender Nordlichter endet, sondern vielleicht auch mit der Erkenntnis sich in Zukunft wieder häufiger auf die schlichten Schönheiten des Lebens zu besinnen.
text: franziska lauer
bild: reiulf ramstadt
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